Dr. Alexandra Hildebrandt – Statement

„Wenn Richten, … dann Aufrichten“ von Peter Kalb ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern eine Haltung im besten Wortsinn.

Sie steht für ein Thema, das Katja Kraus in ihrem Buch „Macht“ thematisierte: Niemand wird durch sich selbst groß, sondern durch die, die sie als „groß“ erklären. In ihrer Wirkungszeit werden sie von den Medien frei von Makeln dargestellt und überhöht – bis zum Zeitpunkt des Abstiegs, der in der Berichterstattung umso spannender wird, wenn die Fallhöhe besonders hoch war. Dann werden sie vom Sockel gestürzt und zerfallen wie Statuen in ihre Einzelteile, die häufig weiter durch den Staub gezogen werden. Es wird in der Gesellschaft oft zu schnell beurteilt. Dabei ist das Interesse einer beschleunigten Medienwelt an Mächtigen und Gefallenen besonders ausgeprägt, wenn sie „zerlegt“ worden sind. Im kollektiven Gedächtnis bleibt am Ende oft nur die Negativberichterstattung, die den Moment des Falls festhält. Wer sein Gesicht verliert und permanent einer öffentlichen Beurteilung ausgesetzt ist, wird zwangsläufig zum Getriebenen eines Systems, in dem für nachhaltiges und überlegtes Handeln keine Zeit bleibt. Die Skulptur hält den Moment zwischen Gerichtetsein und Aufrichten fest – sie zeigt die Kehrtwende, in dem sich der Betroffene gleichermaßen als selbstständig und selbstbestimmt erfährt. Obwohl die Skulptur älter ist als das Buch „Macht“, so wirkt es wie eine Interpretation desselben. Das zeichnet ein nachhaltiges und zeitloses Kunstwerk wie dieses aus: Es schafft Gedankenräume und nimmt die Gegenwart auf, um ihr immer wieder Gestalt zu geben.

Deutschland‘

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